Wurzeln, die prägen: Die Geschichte eines Pioniers
Die Geschichte dieses rund 3 Hektar großen Areals im Vorland der Lobau ist untrennbar mit einem großen Asperner Pionier verbunden: Alfred Polzer. Seine Geschichte zeigt, wie aus einem Schicksalsschlag echter Fortschritt entstehen kann.
1950er Jahre: Alfred Polzer beginnt am Naufahrtweg mit dem Betrieb einer herkömmlichen, noch konventionellen Gärtnerei.
1972 – Der Wendepunkt: Bei Spritzarbeiten mit Pestiziden versagt Polzers Atemfilter. Der damals 34-Jährige bricht im Giftnebel zusammen und überlebt das traumatische Erlebnis nur knapp. Er zieht daraus eine mutige Konsequenz und stellt seinen Betrieb als einer der Ersten in Österreich komplett auf pestizidfreien Anbau um. Er wird damit zu Wiens allererstem Bio-Bauern.
2009 & 2014: Nach dem Tod von Alfred Polzer (2009) führt seine Familie den Betrieb zunächst weiter. Die Stadt Wien würdigt die enormen Verdienste dieses Vorreiters der Bio-Landwirtschaft und benennt im Jahr 2014 den Alfred-Polzer-Weg in Aspern nach ihm – ein bleibendes Denkmal in unserem Bezirk.
Die sozialdemokratische Handschrift: Ein Ort für alle statt Stillstand
Stadtentwicklung bedeutet, Verantwortung für die Lebensqualität der Menschen zu übernehmen. In den Jahren nach Polzers Tod drohte das Areal am Naufahrtweg leider zusehends zu verfallen – Flächen lagen brach, Gebäude waren sanierungsbedürftig.
Um diesen besonderen Ort als hochwertiges Naherholungsgebiet für die Aspernerinnen und Asperner zu retten und ihn nicht dem Verfall preiszugeben, griff die Stadt Wien als Grundbesitzerin ein. 2017 wurde der schwierige, aber notwendige Entschluss gefasst, das Gelände neu zu strukturieren. Das Ziel der Stadt war klar: Wien wollte hier keinen exklusiven oder ungenutzten Raum, sondern einen Ort von höchster ökologischer Qualität, der der Allgemeinheit zugutekommt.
Mit dem Jahr 2020 etablierte sich schließlich der Verein Kleine Stadtfarm endgültig als neuer Pächter. Diese Neuaufstellung trägt eine klare sozialdemokratische Handschrift: Es wurde ein Raum geschaffen, in dem Gemeinschaft, Inklusion und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Das Gelände gehört heute wieder den Menschen.
Die „Kleine Stadtfarm“ heute: Ein buntes Miteinander in Aspern
Heute ist der Naufahrtweg 14 kein klassischer Bauernhof mehr, sondern ein innovativer Dachverband für rund 20 verschiedene sozial-ökologische und landwirtschaftliche Projekte. Hier zeigt sich das moderne Aspern von seiner besten Seite: Unterschiedlichste Menschen kommen zusammen. Hier treffen Familien, die am Wochenende die Natur genießen, auf engagierte Studierende, spielende Kinder und Nachbarn, die sich auf einen Kaffee treffen.
Zu den beeindruckenden Initiativen, die Aspern heute bereichern, gehören unter anderem:
Hut & Stiel: Ein Vorzeigeprojekt des Urban-Farming. Hier werden Speisepilze (wie Austernpilze) nachhaltig auf eingesammeltem Wiener Kaffeesud gezüchtet. Kreislaufwirtschaft mitten in Donaustadt!
Café Schillwasser: Das Herzstück für die Nachbarschaft. Ein von engagierten Menschen aus dem Grätzl ehrenamtlich geführtes Lokal. Hier gibt es vegetarisches und veganes Essen – oft direkt aus den umliegenden Gärten. Es ist der perfekte Ort, um den sozialen Zusammenhalt im Bezirk zu leben.
StadtBauernLaden & Gemüse-Späti: Köstliches selbstproduziertes, krummes Gemüse oder Getreide aus dem Glas, hier vom eigenen Hof oder von befreundeten Produzenten. Und seit April 2026 kann 7 Tage die Woche von 08.00 bis 20.00 im Selbstbedienungs Gemüse-Späti lokal und regional geshoppt werden.
Aquaponik: Ein faszinierender, geschlossener Kreislauf aus Fischzucht und Gemüseanbau (ein Projekt, das übrigens schon in den Zeiten der Familie Polzer von Walter Gaidos gestartet wurde und bleiben konnte). Das Abwasser der Fische düngt die Pflanzen – High-Tech-Ökologie in Aspern.
Bildung & Solidarische Landwirtschaft (SoLawi): Mit Projekten wie dem WeltTellerFeld oder der „Schule am Bauernhof“ (Gemeinschaftsgärten für Kinder und Erwachsenenbildung) wird vor allem den jüngsten Stadtbewohnern gezeigt, wo unsere Lebensmittel herkommen.
Die Entwicklung der Kleinen Stadtfarm beweist, dass Aspern seine historische Identität bewahrt und gleichzeitig mutig in die Zukunft blickt. Durch das entschlossene Handeln der Stadt Wien ist der Naufahrtweg heute eine grüne Oase der Begegnung, der Bildung und des sozialen Zusammenhalts. Es war damals ein Ort der Begegnung und der ist es auch noch heute. Ein echter Gewinn für Aspern!
Transparenzhinweis: Die SPÖ Sektion 3 Aspern steht in keiner direkten organisatorischen Verbindung zur Kleinen Stadtfarm, sondern spricht lediglich eine Empfehlung für diese wichtige lokale und gemeinschaftsfördernde Einrichtung aus.